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Leserstimmen

Ich konnte den zweiten Teil kaum erwarten. Wieder konnte ich mich sehr gut in die Figuren hineinfühlen. Ich bin schon sehr gespannt wie es weiter gehen wird. Es gibt noch so viele offenen Fragen. Ich freue mich schon auf die eine oder andere Auflösung.

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Floating Hearts 2

2. Brief

Das Konzert

Samstag, 12. September

Lieber Dominic,

Da bin ich schon wieder. Der heutige Tag hat es echt in sich gehabt.

Und jetzt sitze ich in meinem Zimmer und heule vor mich hin, weil ich doch an meinem Geburtstag unbedingt mit Alex, Julia und Felix nach St. Johann fahren wollte. Aber so, wie es aussieht, kann ich mir das wohl abschminken. Nicht, dass mich das überrascht. Aber irgendwie habe ich eben bis zum Schluss gehofft …

Genau genommen haben sie, also Mama und Papa, noch nicht nein gesagt. Aber ich wurde, nachdem ich die Frage in den Raum gestellt hatte, auf mein Zimmer geschickt. Also kannst du dir sicher denken, was die Antwort morgen sein wird.

Ach Nici, warum kann ich nicht einfach so eine coole Mutter haben wie Alex oder wieso können nicht Onkel Martin und Tante Elisabeth meine Eltern sein? Dann dürfte ich mit Alex über mein Geburtstagswochenende wegfahren. Das ist echt alles so unfair.

So, aber jetzt erzähle ich dir einmal von heute und wie ich überhaupt auf die Idee mit St. Johann gekommen bin.

Alex holte Boris und mich gemeinsam mit Julia und Felix bereits um zehn Uhr vormittags von zu Hause ab. Das Konzert hat zwar erst um vier Uhr am Nachmittag begonnen, aber wir mussten den Turnsaal und die Bühne des Festsaals davor noch fertig herrichten.

„Hi, du bist noch immer oder schon wieder da?“, war Alex’ ziemlich nüchterne Begrüßung, als er das Haus betrat und Boris neben mir stand, während er mich vergebens auf meinen Kuss warten ließ.

Boris warf Alex einen verdatterten Blick zu und stammelte etwas von ‚immer noch und spät geworden‘.

Ich habe seine Worte dann in einen ordentlichen Satz verpackt und Alex erklärt, dass wir, nachdem wir mit Jack geskypt hatten, noch einen Film geschaut haben und Boris danach nicht mehr heimfahren wollte.

„Klingt ja richtig perfekt, so ein Abend ganz ohne Anna-Lena. Muss richtig cool gewesen sein“, meinte Alex kalt und schaute mich dabei sauer an.

Ich war total perplex. Schließlich weiß Alex genau, dass Boris schwul ist und wie wir füreinander empfinden.

Ich stammelte einfach nur: „Ähm ... ja ... also ... der Abend war … nichts Besonderes. Wir haben wirklich nur mit Jack gesprochen und dann haben wir Top Gun und danach die letzten zwei Folgen Vampire Diaries geschaut.“

„Gut, dann hattest du ja wenigstens angenehme Vampirträume von deinem Stefan oder wie der heißt.“

Nach dieser Bemerkung war ich mir eigentlich ziemlich sicher, dass er – wie sagt man auf Deutsch – that he got up on the wrong side of the bed today. Ich versuchte, ihn auf andere Gedanken zu bringen. Also stellte ich mich auf meine Zehen, hauchte einen Kuss auf seine Wange und raunte: „Nein, ich brauche keinen Stefan, der übrigens Steffen heißt, oder sonst einen Vampir. Ich habe meinen eigenen süßen, sexy Typen, der mir im Traum erscheint.“

„Aha, schön. Dann können wir ja jetzt fahren“, wich Alex einen Schritt zurück und wandte sich wieder der Tür zu.

Da war mir klar, dass es nicht einfach nur schlechte Laune war. Also war Alex wirklich aus einem mir nicht bekannten Grund sauer. Was auch immer es war, ich wollte es geklärt haben. Also rief ich ihm nach: „Alex, stopp. Warte bitte!“.

Er blieb stehen und drehte sich zu mir zurück. Ich ging langsam auf ihn zu, nahm ihn bei der Hand und zog ihn ein Stück zurück, während Boris schon das Haus verließ.

„Die anderen warten. Wir müssen noch alles vorbereiten“, trieb mich Alex nun genervt an, ohne mich anzuschauen und wollte sich losreißen. Doch ich festigte meinen Griff um seinen Arm und zog ich ihn wieder näher zu mir: „Was ist denn los mit dir? Warum bist du so komisch?“

Eine Stimme in mir sagte, dass er sich so komisch benahm, weil er sich von mir eingeengt fühlte und einfach nur weg wollte.

„Nichts ist los. Ich freue mich, dass du und Boris gestern noch so viel Spaß hattet und will jetzt einfach nur fahren“, fauchte er.

Ich zuckte leicht zusammen. „Okay, wenn das so ist, dann lass uns fahren. Ich wollte dich nicht nerven. Ich dachte nur, dass wir vielleicht etwas zu besprechen hätten, weil du mich so komisch behandelst.“

Nun blickte Alex mich an, schüttelte den Kopf und fuhr mich an: „Okay, bitte, dann sprechen wir. Sprechen wir darüber, dass ich es total beschissen finde, dass du jeden Abend, wenn ich bei dir bin, todmüde bist. Vom Anna-Lena-Aufpassen oder sonst etwas und dann, wenn ich einmal nicht hier bin, bist du munter, kannst skypen und Film schauen.“

Als Alex das gesagt hatte, riss er sich endgültig los und ging in Richtung Haustür.

Ich blieb reglos stehen. Das hatte ich echt nicht bedacht, dass er das so sehen würde. Aber ja, er hatte Recht. Ich konnte ihm absolut nicht widersprechen. Wenn Alex in der letzten Woche bei mir gewesen ist, bin ich ständig eingeschlafen. Und als Boris von gestern auf heute bei mir war, habe ich durchgehalten und einen echt coolen Abend gehabt.

Klar, dass Alex sauer war, nachdem wir ihm das auch noch so locker erzählt haben. Wenn das umgekehrt passiert wäre, würde ich sicherlich einen Heulkrampf nach dem anderen bekommen und denken, dass es das mit Alex und mir gewesen ist.

Als ich hörte, dass die Haustür geöffnet wurde, befreite ich mich endlich aus meiner Starre und schrie: „Ja, Alex, du hast Recht. Bitte warte! Es tut mir leid. Ich ... ich habe mir einfach nichts dabei gedacht. Geh jetzt nicht, bitte!“

Alex blieb in der Tür stehen und drehte sich noch einmal zu mir zurück. Ich lief zu ihm hin, schlang meine Arme um ihn und flüsterte: „Bitte, sei mir nicht böse. Ich verspreche dir, dass ich es wieder gut mache.“

Alex sagte lange nichts, sondern durchbohrte mich einfach nur mit seinem Blick. Dann endlich öffnete er den Mund und murmelte: „Gut, am Dienstag wollen meine Eltern mit uns Essen gehen.“

Ich nickte. „Ja, der Dienstag gehört nur dir. Ich werde Oma bitten, Lenchen zu nehmen. Alex, ich will doch immer bei dir sein. Ich liebe dich.“

„Ja, verdammt. Ich dich auch und ich finde es einfach scheiße, wenn du deinen einzigen freien Abend nicht mit mir verbringst.“

„Aber du hattest doch gestern keine Zeit. Du hast doch noch alles für heute vorbereiten und zusammenpacken müssen.“

„Und du hättest mitkommen können. Du hättest nur ein Wort sagen müssen und ich hätte dich sofort mitgenommen. Aber du hast mir nur von deinen Plänen mit Jack und Boris erzählt und gar nicht daran gedacht, mit zu mir zu kommen“, schüttelte Alex den Kopf.

„Ja, weil ich gedacht habe, dass du deine Ruhe willst. Du hast doch gesagt, dass du alles in Ruhe einpacken willst.“

„Ja, in Ruhe, ohne Stress. Aber nicht ohne dich.“

„Es tut mir so leid. Ich habe das falsch verstanden. Bitte sei mir nicht mehr böse. Aber du hättest dich auch etwas besser ausdrücken können und mich einfach fragen, ob ich nicht mit zu dir kommen wollte.“

Alex fuhr sich durch die Haare, verdrehte die Augen und grinste: „Hmmm, hätte ich das? Nachdem du mir von deinen Plänen erzählt hast?“

„Ja, hättest du. Dann hätten wir eben zu dritt mit Jack geskypt“, stellte ich mich auf die Zehenspitzen und küsste ihn.

„Du bist ein riesiges Monster, aber mein riesiges Monster. Und jetzt lass uns endlich gehen“, murmelte er in den Kuss hinein.

Ich nickte und schnappte meine Tasche mit meinem Wechselgewand für den Abend. Dann nahm Alex meine Hand und führte mich zu seinem Auto.

Ich kletterte zu Julia und Boris auf die Rückbank, Alex nahm auf dem Fahrersitz neben Felix Platz und wir fuhren los. Boris blickte mich fragend an. Ich nickte ihm lachend zu, nahm dann seine Hand und drückte sie leicht, um ihm zu zeigen, dass wieder alles in Ordnung war.


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